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Giovanni Ghisolfi

(Mailand 1623 - Rom 1683)

Architektur-Capriccio (verkauft)


Medium: Öl auf Leinwand
Abmaβe: cm 97.5 x 128.5


Ghisolfi - Ingrandisci l'immagine

Herkunft:
Privatsammlung

Erhaltungszustand:
sehr gut

Beschreibung:
Das Bild kommt aus einer lombardischen Privatsammlung, in der es traditionsgemäß Gian Paolo Panini zugeschrieben war. Wir halten es hingegen für ein Werk von Giovanni Ghisolfi und werden unsere Gründe dafür folgend auflisten: Ghisolfi malte oft römische Ruinen, aber meistens nicht ausdrücklich topografisch und ohne besondere Detailtreue zu den Originalen.
Die Architektur ist in diesem Gemälde weniger dominant als in anderen Werken Ghisolfis. Auch in seinem übrigen Oeuvre gibt es zahlreiche Beispiele, in denen Landschaft vorherrschend ist. Im Duell stellt er mit der für ihn typischen Sorgfalt die Spuren der Zeit dar, die an der Oberfläche der Steine sichtbar werden. Das Halbrelief mit Pferden und Kriegern, das wir rechts gegen ein antikes Grab angelehnt sehen, taucht ebenfalls auf der rechten Seite eines anderen Gemäldes Ghisolfis auf, vormals in der Sammlung Rospigliosi in Rom. Das Relief ist in beiden Fällen eine freie Interpretation des berühmten Halbreliefs, das sich auf der Innenseite des Titusbogens befindet und die Eroberung von Jerusalem darstellt.
Wenn man wiederkehrende Details weiter verfolgt, stellt man fest, dass das Pferd auf der rechten Seite in identischer Weise auch in einer anderen Komposition auftaucht, in der – ist es ein Zufall? - ein Duell dargestellt wird. Dieses Bild wurde von Arisi als Panini publiziert und von Busiri Vici als Ghisolfi…!(Anmerkung 1) .
Das gleiche Pferd ist in einem anderen Bild - diesmal auf der linken Seite – wieder zu finden, das sowohl Arisi als auch Busiri Vici Ghisolfi zuschreiben. Darüber hinaus gibt es auch Ähnlichkeiten mit den ionischen Säulen, zwischen denen in gleicher Weise wie in dem hier vorgestellten Gemälde der Zweig eines Baumes im Gegenlicht hervorragt (2).

Ghisolfi hat einen ganz eigenen Stil bei der Darstellung von Wolken am Himmel und unterscheidet sich darin in erster Linie von Codazzi, aber auch von Panini. Die Wolken, gemalt mit horizontalen Strichen, sind von einem Weis, das allmählich durchsichtig wird und kehren in fast allen seinen Bildern wieder. (3) Eine andere Komponente im Schaffen Ghisolfis ist die Art und Weise, wie er die Vegetation von Ruinen herabhängen lässt. Beispiele von Werken mit sehr ähnlichen Motiven mit Büschen, die auf dem Colosseum wachsen und links im Bild herabhängen, sind so vielzählig, dass man sie nicht alle auflisten kann. Die Zypressen rechts, die sandige Erde im Vordergrund und die Art der Darstellung von Gras, das zwischen Architekturfragmenten wächst, all das sind wiederkehrende Elemete in der Malerei Ghisolfis.

Eine weitere Charakteristik in den Werken Ghisolfis ist die Art und Weise, in der sich die Perspektive in der Ferne entwickelt. Er verwendet dabei helle Farben mit kalten Pastelltönen. Die Spätwerke Ghisolfis sind in hellen Farbtönen gehalten und unterscheiden sich damit von den finstereren Tönen, die von ihm und Codazzi zuvor verwendet wurden. Dieses Element ist richtungsweisend für den Geschmack der Epoche(4). Die ersten Bilder, die dem jungen Panini zugeschrieben wurden, enthalten viele von Ghisolfi entlehnte Charakteristiken. (5)

Ghisolfi malte auch oft Figuren in seine Bilder. Die kunsthistorische Forschung neigt aufgrund der Figuren dazu, Bilder dem Künstler zuzuschreiben, wenn die Figuren im Stil von Salvator Rosa ausgeführt wurden, der tatsächlich die Figuren Ghisolfis sowohl stilistisch als auch ikonografisch beeinflusst hat. Das setzt jedoch voraus, Ghisolfi habe niemals etwas anderes gemacht, als die Figuren von Salvator Rosa zu imitieren und wenn sie einmal in einem anderen Stil gemalt wurden, werden sie nicht als die Seinen anerkannt, sondern einem ‚anonymen Figurenmaler’ zugeordnet. Das ist die vorherrschende Sichtweise, der auch wir uns unterordnen müssen, dabei aber hervorheben möchten, dass es sich hier um einen sehr begrenzten Ansatz handelt, der sehr einfach die Wirklichkeit verfälschen kann: denn in der Tat gibt es keinen Grund, weshalb Ghisolfi als äußerst fähiger Maler nicht in der Lage gewesen sein sollte, seinen Stil zu modifizieren, indem er von mal zu mal ihn an den Gegenstand seines Auftrags anpasste und also auch Figuren im Stil der Bamboccianti malte (6).

Die Figuren der beiden Duellanten und ihres Gefolges sind nicht so sehr im Stil von Salvator Rosa aber eher in dem der Bamboccianti gehalten. Dasselbe kann man auch in den Bildern von Viviano Codazzi wiederfinden, der sich von den Bamboccianti anregen liess und sogar mit ihnen zusammenarbeitete (7).
Das Problem der Zuschreibung der Figuren ist nicht einfach zu lösen. Das ist verschiedenen Faktoren geschuldet wie der oben beschriebenen aktuellen Mentalität der kunsthistorischen Kritik, die Ghisolfi allein die Figuren im Stil von ‘Salvator Rosa’ zuschreibt; desweiteren die Tatsache, dass die Zusammenarbeit zwischen Künstlern im Rom des 17. Jahrhunderts oft die Frucht von zufälligen oder zeitlich begrenzten Partnerschaften war, die nur selten einer geregelten und dokumentierten Praxis folgten. Das Problem dauert vor allem aufgrund wenig fortgeschrittener Studien zu diesem Thema an. Zum Beispiel wird in der großen und grundsätzlichen Monografie über Viviano und Niccolò Codazzi (op. cit.) die Zuschreibung der Figurinen in der Ausstattung der Bilder von Codazzi noch nicht definitiv in Angriff genommen. Viele Zuschreibungen für die Figuren könnten in Zukunft erneut untersucht werden.
Jedenfalls halten wir – sollte man einen anderen Künstler für die Figuren der Duellanten und der Personen in der Umgebung in Erwägung ziehen - den Maler Vicente Giner für wahrscheinlich, ein spanischer Künstler aus dem Umkreis der Codazzi, dessen Aufenthalt in Rom zwischen ungefähr 1660 und 1680 dokumentiert ist. David Ryley Marshall veröffentlichte in seiner Monografie etliche Bilder von Viviano Codazzi mit Figuren, die er an Vicente Giner zuschreibt. Tatsächlich gibt es stilistisch viele Berührungspunkte zwischen den Figuren dieser Bilder und denen des hier vorliegenden Gemäldes. Die Beschreibung, die Marshall vom künstlerischen Profil Giners gibt, ist ziemlich überzeugend (8), aber wie schon gesagt ist es momentan schwierig, über bestimmte Grenzen hinaus zu gehen.

Abschließend einige Anmerkungen zum Erhaltungszustand des Bildes, das doubliert ist und einen nicht zeitgenössischen Rahmen hat. Die Farbmaterie ist in ausgezeichneter Form erhalten geblieben. Es gibt zwei winzige Retouchen von nicht mehr als 1 cm Durchmesser und einige kleine Restaurierungen. Die Bildoberfläche ist praktisch ohne Restaurierungen und in einem Zustand, den man nur selten bei alten Meistern antrifft. Das Bild erfordert keine restauratorischen Eingriffe.

1. Andrea Busiri Vici, op. cit. S. 87 Kat. Nr. 43, Ferdinando Arisi, Gian Paolo Panini e i fasti di Roma del ‘700, Rom, Ugo Bozzi editore, 1986 S. 34, 239 und Nr. 45. Das Bild befindet sich in einer römischen Privatsammlung.
2. Andrea Busiri Vici, op. cit., S. 142, Nr. 101. Das Bildmotiv des Baumes, der aus einer ionischen Architektur hervorragt, kommt auch in dem schon zitierten Gemälde vor, das sich ehemals in der Sammlung Rospigliosi befand.
3. Andrea Busiri Vici, op.cit., zum Beispiel die Farbillustrationen Fig. 38, 39 und 41 auf den Seiten 37, 39 und 42, haben einen Himmel, der dem Himmel über den Köpfen unserer Duellanten sehr ähnlich ist.
4. Cf. Andrea Busiri Vici, op. cit. S. 139, unten Nr. 93
5. Cf. S. 240 unten Nr. 47. Arisi publiziert eine Reihe von Frühwerken Panini’s, die schon einige Ähnlichkeiten mit unserem Bild aufweisen, die jedoch das Ergebnis einer Kette von Zuschreibungen sind, die sich nicht leicht bestätigen lassen und eine Zuschreibung an das Frühwerk Paninis ist beim heutigen Stand der Forschung ein Glaubensakt. Betrachtet man jedoch die Bilder unter den Nummern 47 und 48 der oben zitierten Monografie, versteht man, dass sie von dem hier besprochenen Duell nicht sehr weit entfernt sind.
6. Tatsächlich gibt es auf den Bildern im Palazzo Galli in Piacenza Figuren, die sicher von Ghisolfi gemalt wurden und in ihrem Stil sehr verschieden sind von Figuren, die Salvator Rosa schuf. (cf. Arisi, op.cit., S. 15, Fig. 12 und 13). Busiri Vici schreibt sogar einige Figuren aus den Bildern Ghisolfis Salvator Rosa persönlich zu.
7. Codazzi arbeitete oft mit Michelangelo Cerquozzi zusammen. Die Figuren des hier zur Diskussion stehenden Bildes sind tatsächlich Cerquozzi sehr nahe, man kann sie aber sicher nicht Cerquozzi zuschreiben. Zur Zusammenarbeit zwischen Codazzi und Cerquozzi siehe David Ryley Marshall, Viviano and Niccolò Codazzi and the Baroque Architectural Fantasy, Rom, Jandi Sapi editore, 1993, passim. Arisi sieht auch Verbindungen zwischen Panini und Cerquozzi, (cf. Arisi, op. cit, S. 40, 41 e ill. 39).
8. Marshall, op. cit., S. 256-259 und ff.

   

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Alte Meister: Barock
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Giovanni Ghisolfi (Mailand 1623 - Rom 1683)


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