Beschreibung: Die Madonna, die das Kind gemeinsam mit Joseph und dem kleinen Johannes anbetet, ist – abgesehen dass es sich hierbei um ein sehr häufig dargestelltes religiöses Thema handelt - in dieser Komposition und insbesondere im Format des Tondo eine typische toskanische Sonderform der Darstellung. In den Werkstätten von Ghirlandaio, Jacopo del Sellaio, Botticelli und Lippi wurde diese Komposition in verschiedenen Weisen wiederholt und jeweils mit einer persönlichen Note versehen. Dabei hielt man sich an den typischen stilistischen Kanon des späten 15. und des frühen 16. Jahrhunderts.
Das hier vorgestellte Bild dürfte aufgrund seines Formates, der Ikonografie und der stilistischen Typologie in seiner Zeit sehr gefragt gewesen sein.
Die Komposition weist große Ähnlichkeiten mit einer Zeichnung von Botticelli auf, die sich in den Uffizien befindet sowie mit einem Bild aus dem Umkreis von Botticelli, das sich in der Sammlung Robert Lehmann im Metropolitan Museum befindet. Auf die Nähe zu dem letzteren Gemälde verwies freundlicherweise Dr. Everett Fahy in einem privaten Gespräch. Es wurde von John Pope-Hennessy als Werkstatt von Botticelli publiziert. (The Robert Lehman Collection, Band 1, Italian paintings, New York, 1987, S. 192-193).
Einige Charakteristiken unseres Bildes sind auch in einem Tondo der Werksatt von Botticelli wiederzufinden, das 2001 in London verkauft wurde (Dezember, Sotheby’s). Vergleichbar ist das außergewöhnliche Detail des Stabes, der die beinahe zusammenbrechende Mauer stützt (im Londoner Bild hinter dem Kopf von Joseph). Desweiteren sind die Haltung der Arme des Christuskindes und die allgemeine Ähnlichkeit mit der Zeichnung in den Uffizien bemerkenswert.
Ähnlichkeiten bestehen auch mit einem Gemälde der Madonna mit Kind aus der Werksatt von Botticelli, das 1992 verkauft wurde (Sotheby’s London) und in dem die Beinhaltung des Kindes identisch ist: das linke Bein weist nach oben. Diese Form der Darstellung ist – soweit uns bekannt – nur bei Botticelli und seiner Werkstatt zu finden. In den Varianten dieser gelungenen Komposition, die vielfach von den verschiedenen Florentiner Werkstätten der Epoche wiederholt wurde, befindet sich das linke Bein meist in einer Position nahe dem rechten Bein und also in einer etwas geordneteren Haltung.
In dem eben zum Vergleich herangezogenen Bild finden wir auch im unteren Teil das Gras mit den einzelnen Halmen wieder.
Noch ein weiteres sehr ähnliches Bild, wiederum aus der Werkstatt von Botticelli, befindet sich im Museo dell'Opera del Duomo in Prato (Tondo, cm 100, publiziert in: Filippo e Filippino Lippi, La Renaissance a Prato, Musée du Luxembourg, Paris 2009, S. 164, 165, Abb. Nr. 29, Katalog herausgegeben von Maria Pia Mannini).
Unser Gemälde steht den Werken des sogenannten Maestro dell' Epifania di Fiesole sehr nahe.
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