Beschreibung: Das Tafelbild ist unveröffentlicht und signiert cola, deutlich lesbar und phjlostesjo(u)s, mit fast allen Buchstaben auf dem dunklem Krug zu entziffern, der auf einem kleinen Sockel steht und Teil der Darstellung der Samariterin am Brunnen im Hintergrund ausmacht. Sie befindet sich fast genau unter der linken Hand von Martha (die stehende weibliche Figur im Zentrum des Bildes), die mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die Signatur zu verweisen scheint. Mit Hilfe eines Vergrößerungsglases kann man genauestens cola erkennen, ebenfalls auch auf der hier vorliegenden fotografischen Wiedergabe.
Cola signierte in gleicher Weise ein Tafelbild aus dem Jahr 1527, Madonna mit Kind, dem kleinen Johannes und Joseph, das sich im Rathaus von Amatrice befindet. Der gleiche Bildträger, Leinwand auf Holz appliziert, ist bei einem Bild von 1530 Der Disput von Jesus im Tempel in der Kirche San Massimo in L’Aquila zu finden.
Das Bild stellt Christus im Hause von Martha und Magdalena dar, so wie es von Lukas im 10. Kapitel des Evangeliums erzählt wird. Es handelt sich um eine in der Renaissance äußerst selten vorkommende Ikonografie. Christus besucht mit seinen Jüngern das Haus von Martha und Magdalena und beginnt, seine Lehren zu vermitteln. Magdalena sitzt zu seinen Füßen und hört ihm zu, während Martha damit beschäftigt ist, die Gäste zu bedienen. Auf einmal unterbricht Martha ihre Geschäftigkeit und wendet sich an Jesus, um ihn zu fragen, ob es rechtens sei, dass ihre Schwester ihm zuhöre, statt ihr zu helfen. Christus erwiedert, Martha würde sich um zu viele nicht notwendige Dinge kümmern und dass es gut sei, dass Magdalena ihm zuhöre, denn sie habe damit das einzig Richtige getan. Cola malt die Geschichte genau so, wie sie von Lukas beschrieben wird, indem er den Augenblick wiedergibt, in dem die stehende Martha sich bei Jesus beschwert und Magdalena, die vor ihm sitzt, beschuldigt. Hinter Jesus und Martha stehen die Apostel, unter ihnen ist Paulus zu erkennen sowie Johannes und Petrus, gemalt in dem exzentrischen und besonders persönlichem Stil von Cola.
Der Künstler beschränkt sich nicht nur darauf, die Szene darzustellen, sondern flößt ihr mit den Händen der dargestellten Figuren, die eine Krone über Korb und Krug - den Behältnissen von Brot und Wein - in der Hand Marthas bilden, christologische Anspielungen ein, die die Eucharistie vorwegnehmen.
Cola gelingt es, die Erzählung einfach und unmittelbar wiederzugeben, sie dabei mit Symbologien anzureichern und dies mit Hilfe eines sehr soliden Kompositionsschemas, an dem klar sichtbar wird, wie sehr sein Stil von Michelangelo und Raffaello beeinflusst war.
Dott. Andrea De Marchi hat dieses Bild an Cola zugeschrieben, bevor die Signatur überhaupt identifiziert wurde.
Für stilistische Vergleiche mit anderen Werken des Künstlers und für bibliografische Bezüge verweisen wir auf die Monografie über Cola dell’Amatrice, die von Roberto Cannatà und Adriano Ghisetti Giavarina herausgegeben wurde (Florenz 1991, Cantini Editore).
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