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Giulio Licinio
(Venedig 1527 – 1591)
Porträt eines Edelmannes mit Sohn (verkauf)
Medium: Öl auf Leinwand
Abmaβe: cm 122 x 96.5
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Herkunft: London, Sammlung G.A.F. Cavendish-Bentinck
Sammlung W.D. Clarke
London, Sotheby’s 1922
London, Agnews
Padua, Privatsammlung(?)
Mailand, Privatsammlung
George Augustus Frederick Cavendish-Bentinck war einziger Sohn von Lord Frederick Bentinck (der vierte Sohn vom dritten Herzog von Portland). Er war Parlamentsmitglied für Taunton von 1859 bis 1865 und für Whitehaven von1865 bis 1891. Er hielt ein hohes Amt in den Jahren 1874 bis 1875 im Handelsministerium inne und war Generaladvokat von 1875 bis 1880.
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Literatur: B.Berenson Italian pictures of the renaissance: Venetian school, vol. I, Londra 1957, pag. 46 (Edizione italiana, Firenze 1958, pag. 48)
Ferdinando Bologna, Un doppio ritratto di Tiziano, inedito, in: Arte Veneta, XI, pp. 65-70, fig. 68-70 F. Heinemann, in: Konstens Venedig National Museum, Stockholm, 20 ott.- 10 febbr. 1963, Cat. a cura di B. Wenneberg
Giordana Canova, Paris Bordon, Venezia 1964, pp. 101-102, fig. 113. Luisa Vertova, Giulio Licinio, in: I pittori Bergamaschi, dal XIII al XIX secolo, il Cinquecento, vol. II, Bergamo 1976, pp. 517, 558-559, Katalognr. 20, abgebildet auf S. 574, Fig. 3. Ettore Merkel: Da Tiziano a El Greco, per la storia del manierismo a Venezia 1540 - 1590, Venedig 1981 S. 144
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Erhaltungszustand: Das Gemälde ist von einer sehr schmutzigen Firnisschicht bedeckt, ein Firnis namens Damar, der bis vor einigen Jahrzehnten verwendet wurde. Der Firnis hat sich zusammengezogen und so viele dichte und kleine dunkle Flecke verursacht, die regelmäßig über die ganze Bildoberfläche verteilt sind und dem Bild ein fast monochromes, gelbliches Aussehen verleihen.
Die Firnisschicht kann man ohne Probleme entfernen. Die darunter liegende Malschicht, die mit einem Vergrößerungsglas untersucht wurde, ist intakt und gut erhalten für ein venezianisches Bild aus dem 16. Jahrhundert. Einige kleine Retouchen könnten entfernt werden, ihr Umfang scheint begrenzt zu sein. Abschließend kann dies nach den geplanten Probereinigungen beurteilt werden.
Die originale Signatur ist dokumentiert, I.L.F. (Iulius Licinius Fecit), sie wurde verändert, um sie in ein unwahrscheinliches T.V.F. (Tizianus Vecellius Fecit) zu verwandeln. Das “I.” erhielt nur den Balken des “T”, der aber problemlos entfernt werden kann. Das originale “L.” ist jedoch sorgfältig weggeschabt worden und mit einem “V” ersetzt worden. Die Form des originalen “L” ist aber noch deutlich sichtbar auf einer Makrofotografie, auf der auch die Spuren der Abschabung sichtbar werden und es sollte m��glich sein, nach Entfernung des falschen “V” die ursprünglichen Initialen zu rekonstruieren. Das Datum ist original.
Die Ziffer mit dem Alter des Kindes erscheint aufgrund des Farbtons später zugefügt worden zu sein, kann aber ohne Probleme entfernt werden.
Eine akkurate Reinigung und die kleine Reintegration des “L” anhand der noch vorhandenen originalen Spuren ermöglichen, das Bild in seinen Originalzustand zurück zu versetzen: das Bild wird erwartungsgemäß sehr viel leuchtender werden.
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Beschreibung: Das Gemälde ist eines der schönsten von Giulio Licinio (unserer Meinung nach zweifelsohne das Beste) und weist die gleiche Qualität wie analoge Werke von Paris Bordon auf. Der Künstler stellt eine große Fähigkeit in der psychologischen Durchdringung und dem Erzeugen geistiger Spannung unter Beweis, die verbunden sind mit einem melancholischen Zug, der typisch für die venezianische Porträtmalerei ist.
Das Bild ist mit 1552 datiert und wurde von Giulio Licinio im Alter von 25 Jahren in Venedig gemalt, kurz vor seiner Abreise nach Augsburg. Giulio, der aus einer Familie aus Bergamo stammte, die nach Venedig verzogen war, war Enkel und Erbe der bekannten Werkstatt von Bernardino Licinio und über Heirat verwandt mit Paris Bordon.
Das Bild wurde gereinigt, als es bei Agnew’s 1922 in London war. Die Signatur I.L.F., das Datum MDLII und die Inschrift ANNO AETATIS XX (V?) kamen bei dieser Gelegenheit zum Vorschein. Es existiert eine Fotografie des Bildes, die die Präsenz der Signatur dokumentiert. Diese Fotografie wird im Kunsthistorischen Institut in Florenz aufbewahrt: Negativ Nr. 11.057.
Bernard Berenson, der das Bild Jahre zuvor in der Sammlung Cavendish– Bentinck gesehen hatte, als es noch nicht gereinigt und also die Signatur unlesbar war, publizierte es als an Paris Bordon zugeschrieben. Eine keinesfalls eigenartige Idee, da das Bild qualitativ in nichts den Porträts von Bordon nachsteht, dass sogar Canova, der sehr wohl die Signatur von Licinio kannte, das Bild in seiner Monografie über Bordon mit den folgenden Worten publizierte: “..die Weichheit des Pinselstrichs und die Schlichtheit, mit der die Menschlichkeit der dargestellten Personen eingefangen ist, lassen es wie von der Hand Bordons geschaffen erscheinen”. Es war Vertova, die das Bild definitiv mit einer gründlichen Studie für die Monografie von Giulio Licinio katalogisierte, herausgegeben in der Reihe “I Pittori Bergamaschi”. Zuvor hatte Ferdinando Bologna es in der Nummer XI von Arte Veneta aus dem Jahr 1957 als wichtige Entdeckung für das Gesamtwerk von Tizian veröffentlicht und als Tizian wurde das Bild auch verkauft.
Der Gelehrte hat sich von der Signatur täuschen lassen. Als das Bild erst einmal bei Agnew’s verkauft war und auf dem italienischen Markt eintraf, kam ein skrupelloser Händler auf den Gedanken, dass ein hervorragendes signiertes und datiertes Werk von Giulio Licinio nicht so viel Gewinn einbringen kann wie ein guter signierter und datierter Tizian. Er befand, dass die Qualität des Bildes so gut war, dass es ohne weiteres eine Beförderung verkraften könne und machte sich ans Werk. Die originale Signatur I.L.F. (Iulius Licinius Fecit, in dieser Weise signierte Licinio auch in der Folge die Gemälde der Biblioteca Marciana in Venezia) wurde verwandelt in T.V.F. (untypische Initialen selbst für Tizian, die zu lesen wären als Tizianus Vecellius Fecit). Im Übereifer des Fälschens wurde auch noch das Alter des Dargestellten verändert in “XXX” und das Alter des Kindes “Aetatis VIII” einfach hinzugefügt.
Interessant ist desweiteren, dass es in der Galleria Colonna ein sehr ähnliches Porträt gibt, das sehr wahrscheinlich auch von Giulio Licinio geschaffen wurde. Es ist publiziert in: E. Safarik, Catalogo sommaria della Galleria Collonna in Roma, dipinti, Rom 1981, S. 138-139 mit Abbildung
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Interesting to compare the Portrait done by Paolo Veronese in 1552, Budapest Museum.
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