Erhaltungszustand: Die Tafel erfordert eine leichte und von professioneller Hand ausgeführte Reinigung, die vor allem das Gesicht und die Hände aufhellen wird sowie den sehr raffinierten Umhang und den weißen Schleier, den die Madonna auf dem Kopf trägt.
Die ersten Reinigungsproben haben bestätigt, dass diese Bereiche des Bildes sehr gut erhalten sind und das eine vollständige reinigung zu einem sehr befriedigendem Ergebnis führen wird.
Es könnte sein, dass die roten Pünktchen auf dem Hintergrund zu einem späteren Zeitpunkt zugefügt wurden und es ist möglich, dass sie bei einer Reinigung verschwinden. Es gibt aber auch Bilder von Aelbrecht Bouts, Sohn und Erbe von Dierick Bouts, bei denen diese Art Ornament ebenso vorkommt. Der Goldgrund ist in einem etwas schlechteren Zustand als die Figur und muss teilweise retouchiert werden.
Die Farbschicht des blauen Mantels der Madonna ist im oberen Bereich gut erhalten, über der Schulter ist sie aber etwas dünner als im unteren Teil. Die Hände im gleichen Bereich des Bildes sind gut erhalten und haben weder Farbmaterie noch Feingestaltung der obersten Malschicht verloren.
Die Tafel wurde nicht parchettiert und auch nicht geteilt. Der Handrücken der Madonna ist durch den Bildrand angeschnitten, was auch in anderen Bildern dieses Typus vorkommt und zu einer stärkeren dreidimensionalen Wirkung der Figur beiträgt.
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Beschreibung: Auf der Rückseite gibt es eine fast unlesbare Beschriftung, die glücklicherweise Dank einer alten Fotografie zu einem Zeitpunkt dokumentiert wurde, als sie noch weniger ausgeblichen war. Sie könnte wie folgt gelesen werden:
“Von Herrn Cardinal Borghese bestellt, dass dieses Bildnis …. immer im Hause ….muss” (“Nota come il Sig. Cardinal Borghese / ordinò che questa imagine deva ..ser../ sempre in casa”)
Die Handschrift stammt mit großer Wahrscheinlichkeit noch aus dem 17. Jahrhundert.
Die hier dargestellte Mater Dolorosa ist dem Großteil der Experten für dieses Gebiet nicht zu Gesicht gekommen, auch weil sie wahrscheinlich niemals in den Verkauf kam. Der Einzige, der sie gesehen hat, war Colin Eisler und erwähnt sie in seinem Buch Les Primitifs Flamands, New England Museums, Bruxelles 1961, S. 60 Nr. 9, mit folgendem Satz:
“Nettuno, Rome, Coll. Prince Steno Borghese, ex. Coll. Don Pietro Statella, Prince of Cassaro, Sicily”
Die Sammlung Borghese wurde am 19. August 1899 an den italienischen Staat verkauft und bildet noch heute den Kern der in Galleria Borghese befindlichen Werke.
Es ist möglich, dass das Bild aus folgendem Grund nicht Teil des Verkaufs ausmachte:
Aufgrund der Inschrift des Bildes wissen wir, dass es schon zu Zeiten des Kardinals Scipione zur Sammlung Borghese gehörte. Der Publikation von Eisler ist zu entnehmen, dass es im 20. Jahrhundert nach dem Vermächtnis von Don Pietro Statella wieder ins Eigentum der Borghese übergegangen war.
Giuseppe Borghese heiratete im Jahr 1882 Donna Stefanina Statella und schenkte es an seinen Schwiegervater Don Pietro Statella und an dessen Frau; dies erklärt, wie ein Gemälde, das Teil der Sammlung Borghese ausmachte, nicht in dem Verkauf an den italienischen Staat enthalten war.
Donna Stefanina Statella starb bereits im Jahr 1884 und hinterließ eine Tochter namens Genoveffa (1883 -1922), die nach der Großmutter mütterlicherseits benannt war. Genoveffa heitrate ihren Cousin Rodolfo Borghese und hatten den gemeinsamen Sohn Steno, der wiederum Enkel und Erbe von Don Pietro Statella war. Die Mater Dolorosa aus dem engsten Umkreis von Bouts kehrte in die Sammlung Borghese zurück und zwar zu Steno Borghese und wurde dort von Colin Eisler dokumentiert.
Die Zuschreibung:
Das Gemälde wurde vom Vater des aktuellen Eigentümers als Hugo van der Goes erworben, eine Zuschreibung, die jedoch nicht haltbar ist. Diese berühmte ikonografische Bilderfindung stammt von Dierick Bouts und zwar als er wahrscheinlich noch in Haarlem um 1450 tätig war. Das Original von Dierick Bouts gilt als verloren. Die kunsthistorische Forschung hat eine Reihe von gleichwertigen Arbeiten höchster Qualität zusammengefasst, zu denen auch das hier besprochene Bild gehört und diese allesamt der Werkstatt zugeschrieben. Zwei Exemplare von ebenfalls sehr hoher Qualität, die sehr nah an Dierick Bouts herankommen und gemeinhin mit seiner Werkstatt in Verbindung gebracht werden, befinden sich in der National Gallery von London und im Louvre in Paris.
Ein weiteres Gemälde, sehr ähnlich mit dem hier besprochenen Werk, befindet sich seit 1986 im Art Institute von Chicago und wurde vom Museum als Dierick Bouts katalogisiert. Zuvor gehörte es zur Sammlung Spiridon, dann zur Sammlung des Barons van der Elst in Rom und in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde es als originales Werk von Dierick Bouts publiziert und ausgestellt. Später verlor es diesen Status und seit jüngerer Zeit ist die kunsthistorische Forschung dazu angehalten, kein Bild mit dieser Komposition als vollkommen autografischen Dierick Bouts zu katalogisieren. Unser Bild gemeinsam mit dem Gemälde, das sich ehemals in der Sammlung van der Elst und jetzt im Art Institute von Chicago befindet, unterscheiden sich von den anderen in der Haltung des kleinen Fingers der Madonna, der auf elegante Weise leicht gebogen und in den anderen von der Forschung erwähnten Versionen so nicht zu finden ist.
Colin Eisler, der mit größter Wahrscheinlichkeit niemals das Bild gesehen hat, hat es gemeinsam mit acht anderen Versionen, die mit der Werksatt von Bouts in Verbindung gebracht werden können, aufgelistet. Von dieser brerühmten Komposition gibt es noch Kopien von weniger guter Qualität, die ab und an auf dem Markt auftauchen, aber von der wissenschaftlichen Literatur keine Beachtung erhielten.
Die Veröffentlichung von Eisler ist auch die letzte Publikation, die sich gründlich mit Bildern von Bouts mit dieser Ikonografie beschäftigt hat. Im letzten Katalog zur Ausstellung von Dierick Bouts in New York wird das Problem kurz aber ohne weitere neue Erkenntnisse besprochen.
Die Qualität des hier vorgestellten Bildes ist ausgezeichnet und selbstsprechend. Das Inkarnat und alle Details des Gesichts der Madonna sind mit größter Sorgfalt ausgeführt und dies wird mit dem Vergrößerungsglas nur noch deutlicher sichtbar. Von spektakulärer Könnerschaft zeugt das Detail der Träne, die nicht echter erscheinen könnte, aber auch die feuchten und geröteten Augen, die Nase und die Tonalität der Wangen der Madonna sind ein Zeichen für höchste künstlerische und technische Fertigkeiten.
Die Qualität des Gemäldes ist so gut, das es, wie nur wenige andere, zum engen Umkreis von Dierick Bouts gezählt werden kann und auch eine große Nähe zu einer Gruppe von Werken um den Sohn Aelbrecht Bouts aufweist. Auch ein weiterer Sohn, Dierick der Jüngere, ist dokumentiert, aber über ihn ist bisher wenig bekannt.
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